Justizskandal in Deutschland: „Die Weggeworfenen“ – Wie unser Staat eine Familie aus Togo in den Abgrund reißt
Januar 26, 2009
Im September 2006 wurde die Familie Kpakou nach Togo abgeschoben, nach 13 Jahren in Deutschland. Die Familie war Anfang der Neunziger vor einer brutalen Diktatur in die Bundesrepublik geflohen. Die Kinder wuchsen hier auf und kannten nicht viel mehr als den kleinen Fachwerkort Cölbe bei Marburg.
Bis eines Morgens um fünf Uhr die Polizisten in der Wohnung standen. Eine halbe Stunde hatten sie Zeit, um ihre Koffer zu packen, 20 Kilo pro Person. Mit dem ersten von Deutschland organisierten europäischen Sammelabschiebeflug wurden sie zurück nach Afrika gebracht.
Der Film „Die Weggeworfenen“, der vom Sender Phönix gezeigt wurde, dokumentiert die brutale Abschiebung der Familie und die Kaltschnäuzigkeit unserer Behördenvertreter. Er erzählt die Geschichte von Teenagern, die verzweifelt versuchen, in einem fremden Land, dessen Sprache sie kaum sprechen, Fuß zu fassen und gleichzeitig die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch zurückzukehren: nach Hessen, nach Hause zu ihren Freunden – und zu ihrem Vater, der noch in Deutschland lebt, weil er am Tag der Abschiebung nicht transportfähig war und seitdem schwer krank ist. Die teilweise minderjährigen Kinder müssen ohne ihren Vater den Flug antreten.
„Noch immer wache ich jeden Morgen auf und hoffe, alles sei ein Irrtum“, sagt Celestine Kpakou. Von einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin hatte sie geträumt, jetzt weiß sie manchmal nicht, wie sie satt werden soll. Auch nach zwei Jahren blickt die 20-Jährige noch ungläubig auf ihr neues Leben, auf das Land, das nun ihre Heimat sein soll.
Ihr jüngerer Bruder Richie, der in Marburg Klassensprecher war, bereitet sich in einer Schulruine in Ghana auf sein Abitur vor. Mit seiner Mutter ist er nach Ghana umgezogen, weil dort in englischer Sprache unterrichtet wird. Ohne das Geld, das ehemalige Nachbarn, Freunde und Lehrer regelmäßig nach Togo überweisen, würde die Familie auf der Straße landen.
Der Film wechselt zwischen Afrika und Deutschland. Er zeigt, wie Richie und seine Freundin Jule am Telefon um ihre erste große Liebe kämpfen. Wie schwer es Celestine und ihrer besten Freundin Jonna fällt, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Er zeigt den Widerstand einer Gruppe von Bürgern, die auch zwei Jahre nach der Abschiebung versucht, das Handeln deutscher Behörden wieder gut zu machen. Niemand weiß, wie lange sie noch durchhalten. Siehe auch den Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“.
Im Jubiläumsjahr zum 60jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland sollte man solche skandalösen Fälle nicht einfach auf sich beruhen lassen. Hier ist Bürgerbewusstsein gefragt. Herr Bundespräsident, befassen Sie sich endlich mit diesem Fall und holen die Familie wieder zurück nach Deutschland!!!!!
Entry Filed under: Medien. Schlagworte: "Merkel", Abschiebung, Afrika, Asyl, Asylanten, Asylrecht, Bleiberecht, Bundespräsident, Bundesregierung, Justizministerium, Politics, Togo.
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1.
gunnarsohn | Januar 26, 2009 at 11:49
Wer sich über das Schicksal der Familie Kpakou informieren möchte, sollte auf diese Website gehen: http://www.familie-kpakou.de.
Helft dem Unterstützerkreis mit einer Spende – Bankverbindung:
VB Mittelhessen
Kennwort: KPAKOU
Kto.-Nr.: 24 923 002
BLZ: 513 900 00
2.
gunnarsohn | Januar 26, 2009 at 11:59
Agieren die Behörden immer noch so wie im Kaiserreich??? Man könnte den Eindruck gewinnen. Wo bleibt die Menschlichkeit, die Familienfreundlichkeit und die Nächstenliebe? Zählt das alles nichts in unserem Verwaltungsapparat? Es spielt sich im Fall der Familie Kpakou das Gleich ab wie beim Hauptmann von Köpenick. Man nennt das Verwaltungskurzschluss: keinen Pass, keine Arbeit, keine Wohnung.
Auch die Familie Kpakou wurde Opfer einer unmenschlichen Bürokratie und die Exekutive hat wieder mal die obrigkeitsstaatlichen Muskeln spielen lassen und die Lebensträume von Kindern zerstört.
Wo bleibt das Engagement der Kirchen? Was machen die Politiker? Warum reagiert der Bundespräsident nicht???
3.
Jörg | Juli 11, 2009 at 10:49
Die Internetadresse ist http://www.familie-kpakou.net/
4.
gunnarsohn | Juli 13, 2009 at 7:58
vielen Dank für den Hinweis
5.
Fabio | Oktober 27, 2009 at 3:05
Natürlich eine traurige Geschichte.
wir leben allerdings in einen Staat wo jeden Tag die Merkwürdigsten Urteile fallen.Da ist eine solche Geschichte natürlich nicht verwunderlich.
6.
gunnarsohn | Oktober 27, 2009 at 4:17
@Fabio da hast Du vollkommen recht. Mit meiner Petition bin ich leider gescheitert, die wurde nicht angenommen mit fadenscheinigen Begründungen