Management-Versager sollten keine Finanzhilfen bekommen – Staat belohnt falsche Wirtschaftsmentalität

Juni 24, 2009

TV-Regisseur Dienter Wedel: Manager sind keine Inhaber

TV-Regisseur Dieter Wedel: Manager sind keine Inhaber

Mit ihrem 115-Milliarden-Euro-Programm wollte die Bundesregierung ursprünglich Unternehmen helfen, die in Folge der Finanzkrise unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sind. Jetzt aber kommen alle möglichen Unternehmen auf die Idee, beim Staat um Hilfe zu betteln. „Die Bundesregierung muss aufpassen: Sie darf keinesfalls Firmen helfen, die durch eigenes Missmanagement in die Krise geraten sind. Es war doch schon immer so: Wenn ein Konzern in eine Schieflage gerät, kommt die Kanzlerin oder ein Minister. Muss aber ein mittelständisches Unternehmen schließen, kommt mit großer Sicherheit ein anderer: der Gerichtsvollzieher“, kritisiert Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). Die Gefahr sei groß, dass dieses Prinzip jetzt auch wieder wirkt – wenn es um die Verteilung der Milliarden-Hilfen aus dem Berliner Konjunkturprogramm geht. Von Porsche bis Infineon reiche mittlerweile die Liste von namhaften Firmen, die Staatsgelder erhalten wollen.

„Alle diese Anfragen landen vor dem sogenannten Lenkungsausschuss. Das ist ein Gremium, dem mit dem Staatssekretär Walter Otremba ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums vorsitzt. Damit aber wird die staatliche Hilfe zum Politikum. Und es gehört nicht viel dazu, um sich im Vorwahlkampf auszumalen, dass die Hilfen für Unternehmen von den Spitzen der großen Koalition auch unter politischen Aspekten verteilt werden könnten“, warnt der Mittelstandspräsident. Die innere Machtbalance der Koalition könnte eine Rolle spielen, der wählerwirksame Erhalt von Arbeitsplätzen. „Die Gefahr ist also groß, dass Geld auch an solche Unternehmen fließen wird, die sich durch Missmanagement und eigenes Fehlverhalten selbst in die Krise manövriert haben. Unternehmen wie Schaeffler und vor allem auch Porsche sind Beispiele dafür. Wer sich mit hoch riskanten Börsenspekulationen einfach verzockt hat, um gewagte Firmenübernahmen zu finanzieren, der muss eben auch das Risiko tragen, wenn es am Ende schief geht und nicht der Steuerzahler“, so Ohoven.

Viel besser wäre es, auf das moderne Insolvenzrecht zu setzen. Das habe in der gegenwärtigen Lage einen doppelten Nutzen: „Es zielt darauf ab, die wettbewerbsfähigen Teile von Unternehmen zu erhalten – und so auch die Beschäftigung zu sichern. Und es schützt die Gemeinschaft der Steuerzahler davor, für die Fehler einzelner Unternehmen bluten zu müssen“, resümiert BVMW-Präsident Ohoven.

Zudem dürfe vom Staat nicht die falsche Wirtschaftsmentalität belohnen. Darauf hat der Regisseur Dieter Wedel in der TV-Sendung „THADEUSZ“ hingewiesen. „Ich wollte im Film ‚Der große Belheim’ erzählen, dass ein Riesenunterschied besteht zwischen Managern und Inhabern. Es gibt ja immer noch im deutschen Mittelstand eine ganze Reihe von gut funktionierenden Unternehmen, wo sich keiner bedient und wo die Leute wirklich ihren Kopf hinhalten, mit ihrem Vermögen haften und für ihren Betrieb dastehen. So ein Typ wie Middelhof war eben immer ein Manager“, so Wedel. Das Verhalten von Managern sei anders. Sie würden einseitig an den Shareholder Value denken und sind darauf bedacht, in kurzer Zeit Erfolge vorzuweisen, damit der Aktienkurs steigt und ihre Weiterbeschäftigung sichergestellt ist. „Der Inhaber denkt langfristig. Der denkt an das Unternehmen und hat eine andere Verantwortung gegenüber der Belegschaft“, sagte Wedel.

Entry Filed under: Kommunen, Management, Medien, Wirtschaft. Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , .

Leave a Comment

hidden

Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Top-Beiträge

Twitter me

Blogroll

Kategoriewolke

"Apple" "Dienstleistungsökonomie" "Gesundheit" "Google" "iPhone" "Technik" "Web 2.0" Auto Bildung Bücher Dienstleistungen Ernährung Europa Forschung Hochschule Informationstechnik Internet Kommunen Kreativwirtschaft Management Marketing Medien Nicht kategorisiert Social Web Telekommunikation Umwelt USA Werbung Wirtschaft Wissenschaft

Neueste Artikel

Top Rated

Blog Stats

Schlagworte

"Apple" "Call Center" "Computer" "Einzelhandel" "Google" "gunnar-sohn" "Gunnarsohn" "Handel" "Handy! "iPhone" "IT" "Kundenservice" "Media" "medienbüro.sohn" "Merkel" "Microsoft" "Mittelstand" "Mobilfunk" "Nachrichten" "News" "Sprachautomatisierung" "Sprachcomputer" "Spracherkennung" "Unternehmen" "Verbraucher" "Voice" "Voice Days" "Web 2.0" Allgemein Allgemeines Blog Blogger Bundesregierung Deutschland Dienstleistungen Finanzkrise Internet Medien neue-nachricht neuenachricht Politics Telekommunikation Umwelt Wirtschaftskrise Wirtschaftspolitik

Neueste Kommentare

Ole zu Das leise Sterben der Mehrwegb…
Interessante Studie … zu Weckruf von Ranga Yogeshwar fü…
gunnarsohn zu Das leise Sterben der Mehrwegb…
gunnarsohn zu Das leise Sterben der Mehrwegb…
Anonymous zu Das leise Sterben der Mehrwegb…

RSS Feed RSS - Posts

RSS Feed RSS - Comments

Meta

 

Juni 2009
M D M D F S S
« Mai   Jul »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Archive

Seiten

Bookmarks

Feeds

Spam Blocked

Top-Klicks

Flickr Photos

midnight city still

Oneonta

Untitled

More Photos
Watch videos at Vodpod and other videos from this collection.

SocialVibe