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Das leise Sterben der Mehrwegbranche – Und was macht die Deutsche Umwelthilfe?

Dosenpfandgewinne leichtgemachtDie Verpackungsverordnung ist 1991 nicht nur ins Leben gerufen worden, um Einwegverpackungen stärker als Sekundärrohstoff einzusetzen (Recycling), sondern um Mehrweggetränke zu stabilisieren (da gab es mal einen großen Limonadenhersteller, der die PET-Einwegflasche einführen wollte und auf energischen Widerstand stieß). Auf 72 Prozent wurde die Mehrwegquote festgeschrieben. Bei Unterschreitung drohte man mit dem Dosenpfand. Aus der Drohung, wie wir alle wissen, wurde unter dem Regime von Umweltminister Jürgen Trittin, der das 25 Cent-Pfand für ökologisch nachteilige Einweggetränke einführte. Spätestens im nächsten Jahr muss diese Regelung überprüft werden, wenn nicht 80 Prozent (!) der Getränke in ökologisch vorteilhaften Verpackungen (Bürokratendeutsch) abgefüllt werden.

Seit Einführung des miserabel umgesetzten Dosenpfandes ist allerdings die Mehrwegquote so richtig abgeschmiert. Grafisch sehr schön dargestellt vom Netzwerk Regenbogen. Über die Gründe habe ich hier schon mehrfach berichtet – auch wenn es die Deutsche Umwelthilfe nicht wahrhaben will und sinnlose Maßnahmen wie Kennzeichnungspflichten fordert. Herr DUH-Bundesgeschäftsführer Resch, Sie haben mir immer noch nicht die Frage beantwortet, wie die Discounter bei Mineralwasser zu ihren Kampfpreisen kommen. Die Mineralbrunnen-Betriebe gehen davon, dass Pfandgewinne von den Discountern in die Quersubventionierung von Einweggetränken gesteckt werden. Umgerechnet auf den Literpreis kostet Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Getränkehandel 50 Cent.

Logistiker des Einzelhandels und auch Kenner der Entsorgungswirtschaft halten die von der Politik kolportierte Zahl für absurd, dass über 90 Prozent der Einwegflaschen von den Verbrauchern wieder zurück gegeben werden. Die Schwundquote liege weit über 20 Prozent. Von der Deutschen Umwelthilfe, die so sehr für die Einführung des Dosenpfandes zum Schutz von Mehrweg gekämpft hat, wird das in Abrede gestellt.

Herr Resch, was sagen sie denn zu den Müllanalysen der Bonner Firma Ascon? Wenn es keinen Pfandschwund geben würde, dürfen wohl keine Pfand-Einwegflaschen in Gelben Säcken und Tonnen zu finden sein. Aber genau das ist der Fall. Am 2. Dezember referieren Sie ja wieder in Bonn zusammen mit Vertretern der Mineralwasserbranche, die ihnen schon bei der letzten Fachkonferenz klar gesagt haben, warum sie gegen die Dumpingpreispolitik der Discounter keine Chancen haben.

Mit Ihrer Kennzeichnungspflicht, die ja schon von Umweltminister Siggi Gabriel ins Spiel gebracht wurde und auch wieder im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung auftaucht, werden sie die Mehrwegquote nicht um einen einzigen Prozentpunkt erhöhen. Jedem Verbraucher ist klar, was er im Discounter einkauft: Einweg.
Und jedem Verbraucher ist klar, was er im Getränkemarkt einkauft: Mehrweg. Siehe den wöchentlichen Einkauf im Hause Sohn.

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Etwas klüger ist ein Vorschlag des Nabu, den vor einigen Tagen die taz bekanntmachte. Der Verband fordert eine Steuer auf Einweg-Getränkeverpackungen. „So sollen etwa für eine Wasserflasche – PET-Einweg, ein Liter – 9,4 Cent fällig werden, für eine Weinflasche – Glas-Einweg, ein Liter – 26 Cent und für einen Ein-Liter-Saftkarton 3 Cent. Das erklärte der Nabu am Wochenende der taz. Die Steuer könnte jedes Jahr 3 Milliarden Euro in die Kassen spülen, wie Berechnungen im Auftrag des Nabu zeigen. Wissenschaftler vom Freiburger Öko-Institut und vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung haben für den Nabu ein Besteuerungsmodell für Einwegverpackungen entwickelt: Die Steuer fällt umso höher aus, je mehr Ressourcen in der Verpackung stecken: Aluminium, für dessen Produktion viel Energie verschlingt, wird zum Beispiel stärker besteuert als ein recycelter Kunststoff. Und: Die Verpackung wird nur einmal – wenn sie ihr Hersteller auf den Markt bringt – belastet. Glas- und PET-Einweg würden so vergleichsweise teurer, Glas-, PET-Mehrweg und Getränkekartons günstiger“, schreibt die taz. Was sagen Sie zu diesem Modell, Herr Resch? Die ökologische Steuerreform der rot-grünen Regierung war ja nur ein netter Scherz zur Erhöhung des Benzinpreise. Hier hätten wir das erst Mal ein Steuermodell, dass bei der Produktion ansetzt.

Siehe auch:
Schummeln mit dem Dosenpfand – Dumpingpreise für Einweg-Getränke ein Fall für das Kartellamt.
Gabriels Mehrweg-Scherbenhaufen – Politik sorgt für Discounter-Boom.
Mehrwegflasche steht das Wasser bis zum Hals.
Discounter tragen Mehrweg zu Grabe: Politik gibt freies Geleit – Geheimniskrämerei um Dosenpfandgewinne.

4 comments November 4, 2009

Der klimapolitische Erregungspegel und die kafkaesken Versuche zur Beeinflussung des Wetters

180px-James_Lovelock_in_2005In der Xing-Gruppe Zukunftsforschung habe ich in den vergangenen Tagen mit einem Beitrag zur Klimaentwicklung den Erregungspegel nach oben getrieben. Ich plädierte für eine weniger hysterische und wissenschaftlich saubere Diskussion und warnte vor der Falle monokausaler Schlussfolgerungen. Das reichte aus, um mir den Stempel eines Klimaskeptikers zu verpassen – wie ungerecht….Damit kann ich leben, denn Skepsis in wissenschaftlichen oder politischen Debatten ist ja keine schlechte Geisteshaltung.

Wenn wir mal davon absehen liebe Xing-Diskutanten, ob die Klimahypothesen nun richtig oder falsch sind, so sollten wir uns doch mit den umweltpolitischen Maßnahmen weitaus kritischer auseinandersetzen. Selbst einige Apologeten der Erwärmungshypothese hegen Zweifel an der Effektivität von Steuern, Zertifikaten und anderen staatlichen Maßnahmen. Und das ist gut so.

Kürzlich platzte sogar dem Umweltguru James Lovelock der Kragen. Er wendet sich gegen die Hybris, der Mensch könne derzeit mit technischen Mitteln das Wetter weltweit regulieren. Obwohl er technische Maßnahmen nicht für alle Zukunft ausschließt, warnt er in einem Kommentar im britischen „Guardian“: „Es gibt bislang keine umfassende Wissenschaft des Systems Erde; in einem Zustand derartiger Ignoranz kann ich mich nicht des Gefühls erwehren, dass unsere Versuche, das Klima und die Chemie der Erde zu regulieren, die Menschheit zu einem kafkaesken Zustand verurteilen würde, aus dem es möglicherweise kein Entkommen gibt.“ Aber das sagt ja schon die alte Bauernweisheit „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist“.

Die Alternative heißt darf natürlich nicht „Weiter so“ heißen. Aber wir brauchen doch eine gehörige Portion politischer Klugheit, um im Klima- und Umweltschutz das Richtige zu tun. Idiotische Verbote wie bei der Glühbirne stimmen mich da zur Zeit allerdings nicht hoffnungsfroh.

Add comment September 30, 2009

Abkühlung statt Erwärmung? In der Klimafrage benötigen wir einen seriösen wissenschaftlichen Diskurs und keine Prophetien!

LatifGerade rauschte in mein E-Mail-Fach eine Meldung, die über die Medienagentur Bavaria weitergeleitet wurde. Sie beinhaltet recht brisante Informationen. Demnach hat Professor Latif vor der UNO-Klimakonferenz am 1. September 2009 in Genf über die menschliche Ursache der Klimaerwärmung gesagt, die Erde hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht erwärmt und wir werden wahrscheinlich für die nächsten „zehn bis zwanzig Jahre eine Temperaturabkühlung erleben.“

Man muss nicht direkt Schaum vor den Mund bekommen und im propagandistischen Jargon antworten: „Ich habe es ja schon immer gewusst, die Klimaerwärmung ist reine Hysterie“. Genauso unredlich ist der Umgang mit den Zweiflern, die man als Skeptiker oder sogar als Leugner (in Anlehnung an den Holocaust) diffamiert, auf Schwarze Listen setzen oder ihnen sogar das Publizieren verbieten will. Wichtig wäre ein seriöser wissenschaftlicher Diskurs mit naturwissenschaftlichen Hypothesen, um ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ob Professor Latif seine Äußerungen so gemacht hat und ob sie belastbar sind, konnte ich noch nicht überprüfen.

Unstrittig ist es wohl, dass es keinen Königsweg im Umweltschutz gibt. Energie- und Umweltexperten sollten sich in der Klimapolitik mehr streiten über die politischen Maßnahmen zur Bewältigung der Kohlendioxid-Problematik. Kurzschlussreaktionen, blinder Aktionismus und Maßnahmen mit Placebo-Effekten bringen überhaupt nichts. Auch monokausales Denken ist eher hinderlich, um die komplexen Zusammenhänge der Klimaentwicklung zu erklären.

Ein buchhalterisches Herangehen an die Ressourcenfrage mit der mehr oder weniger klaren Absicht der Rationierung ist sogar schädlich. Vielmehr benötigt die Nachhaltigkeitsidee Dinge und Verhältnisse, die erst noch erfunden werden müssen. Diese Situation erfordert eine Politik, der auf den Erfindungsreichtum freier Menschen baut. Die heutige Politik tut aber genau das Gegenteil, indem sie vordringlich solche Forschung fördert, die Zukunftsängste und den dadurch geförderten Aberglauben bestärken.

Erinnert sei an das Prognosedesaster der selbsternannten Umweltexperten im Club of Rome. Top-Manager, Bürokraten und Wissenschaftler aus 25 Ländern unter Führung des Fiat- und Olivetti-Vorstandes Aurelio Peccei waren Ende der 1960er Jahre ähnlich ambitioniert gestartet wie die UN-Klimabehörde IPCC. Unter Leitung von Dennis L. Meadows vom Massachusetts Institut of Technology (MIT) bastelten Betriebswirtschaftler und Systemanalytiker an einem kybernetischen „Weltmodell“ und schockierten die Weltöffentlichkeit mit Untergangsszenarien, die sich am Ende als heiße Luft herausstellten.

Professor Latif soll nun festgestellt haben, dass sich der Atlantik abgekühlt hat. Die Abkühlung soll sich auch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren fortsetzen. Wie starkt dies Abkühlung ausfallen werde, konnte er noch nicht sagen. Ein Prognosezeitraum von zehn oder zwanzig Jahren ist allerdings auch wenig belastbar. Das gilt auch für die Propheten, die vor einer Erwärmung der Erde warnen. Jetzt ist es an der Zeit, mit mehr Nüchternheit über die Klimafrage zu disputieren.

Professor Latif ist Wissenschaftler für Klimamodellierung. Er ist Empfänger von mehreren internationalen Klimaforschungspreisen und einer der Autoren des Klimaberichts der United Nations’ Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

4 comments September 22, 2009

Die reichen Erben der Glühbirne und warum Verbraucher ein Lichtdiplom erwerben sollten

GlühbirneÜber die Merkwürdigkeiten, die faktisch zum Verbot der Glühbirne geführt haben, habe ich hier ja schon einiges geschrieben. Der Geschäftsführer der ZVEI-Fachverbände meint doch allen Ernstes, es gebe gar kein Glühbirnen-Verbot. Es seien nur die „Mindestanforderungen an Leuchtmittel“ verschärft worden. Das ist wohl der Gipfel der Rabulistik. Faktisch dürfen Glühbirnen nicht mehr in Verkehr gebracht werden, wie es so schön im Bürokratendeutsch heißt. Nur die Altbestände dürfen noch verkauft werden. Das ist nichts anderes als ein Verbot. Denn wenn Händler gegen das Vertriebsverbot verstoßen, setzt es satte Strafen. Wir Verbraucher können allerdings Glühbirnen kaufen und müssen nicht mit der Einweisung in eine Glühbirnen-Umerziehungsanstalt rechnen, wie großzügig von der EU.

Was vielen Verbrauchern vielleicht nicht so klar ist, dass die so genannten Energiesparlampen, die in Testergebnissen teilweise miserabel abgeschnitten haben, keine Lampen für den universellen Einsatz mehr sind. Diese Dinger können nicht mit einem kontinuierlichen Spektrum dienen, sondern kommen mit drei hohen, relativ engen Farbspitzen von Rot, Grün und Blau daher, wie die vdi-nachrichten darlegen. Im Bad, fürs Lesen, Klavierspieln oder über dem Esstisch müsse man jetzt stärker auf die Lichtfarbe achten. Osram und Co. können doch frohlocken – das verheißt satte Neugeschäfte, denn der Handel sei jetzt gefragt, den Kunden eine entsprechende Auswahl zu bieten. Die Käufer müssen neben der Leistung in Watt auch die Lichtfarbe in Kelvin und die Lichtausbeute in Lumen pro Watt berücksichtigen. Im Physikunterricht nicht aufgepasst? Tja, Pech gehabt. Dann muss man wohl noch einen Lichtberater einschalten, der hier für die richtige Beleuchtung sorgt.
Das Ganze stinkt doch zum Himmel und der Verbraucher muss hier wohl eine berufliche Nachqualifikation als Lichtdesigner absolvieren. Geht Euch jetzt ein Licht auf????

Add comment September 3, 2009

Wüste Visionen

Wüste Visionen Erleben wir mit Desertec einen einen der größten Fakes des Jahrhunderts? Zu dieser Schlussfolgerung gelangt Wissenschaftsjournalist Edgar Gärtner: „Ich weiß, warum ich bei Partys meistens zögere, mich als Journalist vorzustellen. Am vergangenen Wochenende brauchte ich mich nicht vorstellen, denn da war ich unter lauter lieben Kollegen. Einer von ihnen, Pressesprecher eines großen Stromkonzerns, schilderte uns die wahren Hintergründe des Medienmärchens vom Solarstrom aus der Sahara. Die Idee, in der Sahara mithilfe von Parabolspiegeln Dampf und Strom zu erzeugen, ist uralt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg standen dort erste Solarkraftwerke mit der antiken Solarthermie-Technik. Sie gerieten in den Wirren des Krieges in Vergessenheit. Der obskure Club of Rome griff vor einigen Jahren die Idee wieder auf. Die im nicht weniger obskuren ‘Klimaschutz’-Geschäft engagierte Münchner Rückversicherung sah darin neue Geschäftschancen und brachte Stromkonzerne wie E.on und RWE sowie Siemens, die Deutsche Bank, Schott Solar und einige andere deutsche, spanische und italienische Firmen dazu, sich mit jeweils einigen Tausend Euro an einer Vorstudie über die Machbarkeit des vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und von Greenpeace unterstützten ‘Desertec’-Projektes des Club of Rome zu beteiligen. Dieses sieht vor, mithilfe von Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen zwischen Nordafrika und Westeuropa etwa 15 Prozent unseres Strombedarfs abzudecken.
In allen deutschen Medien war aber nicht von dieser bescheidenen und vorläufigen finanziellen Beteiligung die Rede, sondern von einem ‘Konsortium von 20 deutschen Firmen’, das sich bereits anschicke, bis zur Jahrhundertmitte nicht weniger als 400 Milliarden Euro in die Erzeugung und den Transport des Sahara-Stroms zu investieren. Doch zu mehr als einer skeptischen Prüfung der Idee hatten sich gerade die genannten Stromkonzerne gar nicht bereit erklärt“. Da sind wohl einige ohne klare Absprachen vorgeprescht, um Tatsachen zu schaffen und Konzerne unter Druck zu setzen. In einigen Jahren werden wir von diesem Projekt nichts mehr hören. Das wir ablaufen wie das One-Hit-Wonder.

Add comment Juli 14, 2009

Rädelsführer, Trittbrettfahrer, Dumpingpreis-Recycling und illegale Entsorgungspraktiken: Entsorgungskonzern mit dem Anfangsbuchstaben „R“ „redet Verpackungsverordnung in den Boden“

Mülltonnen-Kampf

Mülltonnen-Kampf

Neun so genannte Duale Systeme sind in Deutschland mittlerweile für die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfall zuständig. Mit der fünften Novelle der Verpackungsverordnung wollte der Gesetzgeber für Klarheit sorgen in Fragen der Kostenbeteiligung von Handel und Konsumgüterindustrie für die Abfallentsorgung über Gelbe Tonnen und Säcke. Den Erfolg der Novelle will der neu gegründete Bundesverband Duale Systeme Deutschland (BDSD) sicherstellen. Allerdings regt sich Widerstand. „Wir verstehen nicht, dass es Mitbewerber gibt, die einen Marktanteil von unter zwei Prozent haben und der Öffentlichkeit weismachen wollen, dass dieser Markt im Chaos enden wird“, kritisierte BDSD-Präsident Raffael A. Fruscio nach der Gründungsversammlung in Köln.

Neuer Bundesverband will für Klarheit beim Verpackungsrecycling sorgen

Neuer Bundesverband will für Klarheit beim Verpackungsrecycling sorgen

Dieser „Rädelsführer“ würde die Öffentlichkeit verunsichern. „Wir haben keine Schwächen bei der Entsorgung von Verpackungsabfall. Allerdings müssen sich alle Systempartner, die ihre Arbeit über eine Clearingstelle koordinieren, an die Einhaltung des Vertrages halten, der von allen neun Dualen Systemen unterzeichnet wurde. Hier gibt es Spielregeln, die man nicht rückwirkend außer Kraft setzen kann“, erlärte Fruscio. Grund für den Ärger ist die Jahresabrechnung 2008. Die Dualen Systeme müssen ihre kalkulierten Marktanteile für die Kosten des Sammelsystems im voraus bezahlen. Kommt es am Jahresende zu Abweichungen zwischen Kalkulation und Endmenge, greift ein kompliziertes System von Ausgleichs- und Strafzahlungen. Zurzeit steht eine Summe von mehr als 40 Millionen Euro im Raum. Den größten Anteil müsse diesmal die Firma Eko-Punkt tragen. Doch die wehrt sich dagegen. Für den BDSD, der nach eigenen Angaben mit seinen drei Mitgliedsfirmen zur Zeit 75 Prozent des Marktes repräsentiert, ist das nicht hinnehmbar: „Ich bin lange genug im Geschäft und habe in den vergangenen Jahren vom Clearingstellen-Ausgleich profitiert und müsse jetzt auch zahlen“, sagte BDSD-Präsident Fruscio, der zudem geschäftsführender Gesellschaft von Redual ist.

Man werde mit aller Kraft dafür sorgen, dass ein stabiler Markt durch diese Verweigerungshaltung nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Eko-Punkt lehne nach Aussagen von Fruscio eine Mitgliedschaft im neugegründeten Verband ab. Zu den Rädelsführern zählt er einen der größten Entsorgungskonzerne mit dem Anfangsbuchstaben „R“ der davon beseelt sei, die fünfte Novelle in den Boden zu reden, um eigene Interessen nach vorne zu schieben. Kritisch sieht der BDSD die Tendenz zum „Lizenzdumping“. So gebe es Unternehmen, die für 500 Euro pro Tonne die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Plastikabfall anbieten. „Duale Systeme könnten für diesen Preis ihre Leistungen nicht anbieten. Wir kennen unsere Einkaufspreise, das ist nicht machbar“, stellte Fruscio fest. Sein Verband werde bei der Konsumgüterindustrie für Aufklärung sorgen und für Verständnis werben, dass man auf diesem Preisniveau Entsorgungsverträge nicht abschließen könne.

Mehr Klarheit müsse es auch bei den Branchenlösungen geben, die den Verpackungsabfall direkt im Geschäft zurücknehmen und sich nicht an den Kosten der haushaltsnahen Abfallsammlung beteiligen. Hier wolle der BDSD sicherstellen, dass hinter den Branchenlösungen auch wirklich Entsorgungsleistungen stehen und kein reiner Handel mit Wiegescheinen, wie es in der Vergangenheit leider häufig der Fall war. So etwas müsse man verhindern und notfalls öffentlich anprangern. Nach seriösen Schätzungen dürfe der Markt für Branchenlösungen nur bei rund 150 Millionen Euro pro Jahr liegen. Die Marktgröße für die haushaltsnahe Sammlung bezifferte der neue Verband auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro.

„Auch das phantasievolle Umdeklarieren von Verkaufsverpackungen zu Transportverpackungen schädige die Dualen Systeme. Das ist besonders in der Non-Food-Branche zu beobachten“, monierte Fruscio. Hier gebe es ein eingeschliffenes Falschwissen der Industriepartner.

2 comments Mai 28, 2009

Wem gehört der Verpackungsabfall? Bizarrer Streit um Müll

Mit Rechtsgutachten und Lobbyarbeit wollen mittelständische Entsorger in Deutschland stärker am Geschäft mit Verpackungsabfall partizipieren. Die Margen für die Sammlung und Sortierung schrumpfen, ergo beansprucht die Müllwirtschaft Eigentumsrechte für die gesammelten Wertstoffe, die in Gelben Tonnen und Säcke landen. Wirtschaftsexperten halten das für ein merkwürdiges Rechtsverständnis.

In Deutschland sind Duale Systeme dafür zuständig, die haushaltsnahe Sammlung von gebrauchten Verpackungen zu organisieren. Sie beauftragen dafür Entsorgungsbetriebe, die für ihre Leistungen entsprechend entlohnt werden – mehr nicht. In der Rechtsverantwortung für die zu erreichenden Verwertungsquoten, die der Gesetzgeber vorschreibt, stehen die Dualen Systeme und damit Handel sowie Konsumgüterindustrie. So etwas nennt man landläufig Produktverantwortung. Als es nur ein einziges Duales System gab, hatte man aus wettbewerbspolitischen Gründen den Tätigkeitsbereich auf die Sammlung und Sortierung reduziert – mit Ausnahme von Plastik. Ins Recyclinggeschäft konnte der Ex-Monopolist DSD nicht einsteigen.

Das hat sich nun geändert. Mittlerweile stehen eine Vielzahl von Systemanbietern zur Verfügung, so dass es keinen Grund mehr gibt, wettbewerbspolitische Schranken aufrechtzuerhalten.

Add comment Mai 4, 2009

Schummeln mit dem Dosenpfand – Dumpingpreise für Einweg-Getränke ein Fall für das Kartellamt

Dosenpfand-Gewinn nicht nur mit Importware. Müllbehälter an der Flughafenkontrolle - Passagiere verzichten unfreiwillig auf Pfandgelder

Dosenpfand-Gewinn nicht nur mit Importware. Flughafenkontrolle - Passagiere verzichten unfreiwillig auf Pfandgelder

Mit der ökologischen Korrektheit hat der Technology Review-Blogger Niels Boeing merkwürdige Erfahrungen gesammelt. Er wollte Einwegflaschen und Dosen am Rücknahmeautomaten eines Supermarktes zurückgeben. Zwei Dosen spukte der Apparat wieder aus. Eine Verkäuferin erklärte Boing, dass die abgewiesenen Einwegverpackungen kein Pfandsymbol tragen würden und deshalb nicht zurückgenommen werden. Eine Pfandrückerstattung könne deshalb nicht erfolgen. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass die beiden Markenbier-Dosen für Polen produziert worden waren.

Vom Büdchenbesitzer, bei dem das Bier gekauft wurde, erfuhr Boeing, dass es sich nicht um Pfanddosen handelt: „Nein, sagte er, das stimmt, aber wir bekommen die manchmal auf Paletten angeliefert. Ob er wisse, wer die liefere? Daran könne er sich leider nicht erinnern“, sagte der Mann im Kiosk. Nach Erkenntnissen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) http://www.duh.de handelt es ich mitnichten um Irrläufer. Offenbar hat sich seit Einführung des einheitlichen Pfandsystems im Jahre 2006 ein schwunghafter Handel mit pfandfreien Dosen entwickelt. „Die Umwelthilfe beobachtet das Geschehen schon länger. In vielen deutschen Imbissbuden, Kiosken und Tankstellenshops seien Exportdosen im Regal ganz normal, und so mancher Betrieb schlägt die 25 Cent Pfand trotzdem drauf“, schreibt Boeing in seinem Blogbeitrag.

Umweltexperten und die mittelständische Getränkeindustrie kritisieren massiv das Regelungschaos des Dosenpfandes. Kaum ein Verbraucher blicke mehr durch, welche Getränke unter die Pfandpflicht fallen und welche nicht. Unterschiede zwischen Mehrweg und Einweg seien kaum noch zu erkennen. Fast jeder zweite Verbraucher in Deutschland wisse selbst sechs Jahre nach Einführung des Einwegpfandes nicht, dass es neben Mehrweg-Pfandflaschen auch Einweg-Pfandflaschen gibt. Entsprechend hoch seien die Pfandgelder, die in den Kassen des Handels verbleiben.

Die Mineralbrunnen-Betriebe gehen davon, dass Pfandgewinne von den Discountern in die Quersubventionierung von Einweggetränken gesteckt werden. Umgerechnet auf den Literpreis koste Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Getränkehandel 50 Cent. Um den mit Hilfe von Einweg-Dumpingpreisen geführten Verdrängungskampf der Discounter gegen den mehrwegorientierten Mittelstand zu stoppen, fordern Umwelt- und Branchenverbände neben dem Einwegpfand eine wirksame Lenkungsabgabe von mindestens 20 Cent pro Flasche. Anders werde das in der Verpackungsverordnung verbindlich festgeschriebene Ziel eines Anteils von 80 Prozent ökologisch vorteilhafter Verpackungen nicht erreicht.

Kasseler Abfallforum diskutierte über aktuelle Müllprobleme

Kasseler Abfallforum diskutierte über aktuelle Müllprobleme

„Das Dosenpfand in der jetzigen Regelung ist für den massiven Rückgang der Mehrwegquote verantwortlich. Besser wäre von Anfang an eine Abgabenlösung gewesen, die von großen Teilen des Einzelhandel auch mitgetragen worden wäre. Die dadurch erzielten Einnahmen kämen der Allgemeinheit zugute. Jetzt haben wir die reine Einweg-Pfandlösung mit den bekannten Folgen des Pfandschlupfes“, kritisierte Gottfried Jung vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium beim Kasseler Abfallforum. Der gewaltige Preisunterschied treibe die Verbraucher zu Einweg-Getränken. Daran würde auch die vom Bundesumweltministerium vorgeschlagene Kennzeichnungspflicht nichts ändern.

Wie der Einweg-Dumpingpreis der Discounter zustande kommt, könne sich Dr. Helge Wendenburg vom Bundesumweltministerium nicht erklären. Die Prüfung der Ursachen sei nicht die Aufgabe seines Hauses. Hier stünden das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundeskartellamt in der Pflicht. Wenn ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliege, müsse entsprechend gehandelt werden.

Hier der Mitschnitt der Pressekonferenz des Kasseler Abfallforums mit den Aussagen von Gottfried Jung vom Umweltministerium in Rheinland-Pfalz und Dr. Helge Wendenburg vom Bundesumweltministeriums.

Experten äußern sich zum Dosenpfand-Debakel

Experten äußern sich zum Dosenpfand-Debakel

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1 comment April 23, 2009

Greenpeace nutzt die Macht der Marke – Wie die Blogosphäre Apple in die Knie zwang

Greenpeace-Story in der April-Ausgabe von absatzwirtschaft

Greenpeace-Story in der April-Ausgabe von absatzwirtschaft

Greepeace zählt zu den größten Umweltorganisationen. Ihre Aktivisten zwingen mit Aufsehen erregenden Protesten sogar Konzerne in die Knie. Die Marke symbolisiert quasi Guerilla-Marketing. Im Interview mit der Zeitschrift „absatzwirtschaft“ – erschienen in der April-Aussage, erläutert Greenpeace-Chef Gerd Leipold die Strategien seines Vereins. So sei „Green IT“ ein Beispiel dafür, wie Greenpeace die Macht des Marktes für die eigenen Ziele ausnutzt. „Der Wettbewerb unter den IT-Herstellern ist sehr stark. Selbst kleine Verschiebungen haben Auswirkungen auf den Aktienwert des Unternehmens. Die Kunden von IT-Firmen sind zum Teil sehr umweltbewusst. Indem wir klarmachen, wer das umweltverträglichere Produkt hat, stacheln wir den Wettbewerb an“, so Leipold.

So in etwa funktionierte die Apple-Kampagne. Der Steve Jobs-Konzern zeigte sich sehr widerspenstig, wollte nicht auf die Kritik eingehen.

Das Herz der Apple-Kunden getroffen

Das Herz der Apple-Kunden getroffen


„Wir wussten, dass die Nutzer ihre Produkte so lieben, dass ein Aufruf, sie nicht mehr zu kaufen, sinnlos gewesen wäre. Wir wussten aber, dass viele Umweltbewusste einen Apple nutzen. Deswegen haben wir eine Kampagne gestartet, bei der ihr Titel alles sagt: ‚I love my Apple, I wish it came in green.’ Wir haben Nutzer gebeten, das Thema zu diskutieren, dafür Werbung zu machen oder die Apple-Werbung zu persiflieren. Als unsere Kampagne in die Blogosphäre gedrungen ist, hat sie Apple mitten ins Herz getroffen“, erläutert Leipold. In Argentinien habe Greenpeace in sechs Wochen eineinhalb Millionen Unterschriften für ein neues Waldgesetz gesammelt. Die Verbreitung funktionierte über Mobiltelefone, übers Internet und über konventionelle Wege der Kommunikation. Rund 1,5 Millionen Unterschriften entsprechen zehn Prozent der Online-Population und zwei Prozent der wählenden Bevölkerung. Das sei ein Machtfaktor und hat dazu geführt, dass ein gutes Gesetz verabschiedet worden ist.

Erfolgreiche Produktvermarktung

Erfolgreiche Produktvermarktung

Selbst in puncto Vermarktungskompetenz habe Greenpeace häufig den richtigen Riecher gehabt. Etwas beim 3-Liter-Auto oder beim FCKW-freien Kühlschrank. „Der Kühlschrank war ein durchschlagender Erfolg, durch den in fast allen Teilen der Welt im häuslichen Kühlbereich der Umstieg auf das so genannte ‚Greenfreeze’ gelungen ist. Wir arbeiten weiter daran, Greenfreeze im kommerziellen Bereich durchzusetzen. Wir haben eine kritische, aber auch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Coca-Cola, Pepsi-Cola, Unilever, Nestlé und anderen Anwendern von kommerzieller Kühlung etwa für Handel und Gastronomie“, so Leipold. Das 3-Liter-Auto sei ein Beispiel dafür, wie die Industrie frühzeitig etwas von Greenpeace hätte lernen können. „Wenn die deutsche Autoindustrie vor zehn Jahren nicht zu arrogant gewesen wäre, um sich unser Auto einmal richtig anzuschauen, dann würde sie heute besser dastehen“. Die deutschen Autobauer würden zwar effiziente Modelle bauen mit einem hohen Leistungsniveau. Sie habe aber einen wichtigen Trendwandel schlicht verschlafen. Hätte die deutsche Industrie ihre technische Intelligenz, die sicher weltweit führend ist, seinerzeit schon auf den Wandel ausgerichtet, wäre sie heute weiter. Die Kooperation mit Lidl beim Vertrieb des Greenpeace-Magazins bewertet Leipold im nachhinein negativ: „Wir haben ungewollt und unverschuldet bei einigen das Misstrauen geweckt, wir seien nicht unabhängig. Wir haben die Wirkung falsch eingeschätzt. Das war der Fehler, denn unsere Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut. Es war ein guter Ansatz, ein größeres Publikum zu erreichen. Aber kurz darauf hat Lidl bei unseren Pestizidtests von Obst und Gemüse gut abgeschnitten. Es wurde unterstellt, die Ergebnisse seien eine Gefälligkeit, Greenpeace habe sich kaufen lassen. Das ist Unsinn, wir lassen uns nicht kaufen“.

Add comment April 9, 2009

Gabriels Mehrweg-Scherbenhaufen – Politik sorgt für Discounter-Boom

Politik gräbt Mehrweg das Wasser ab

Politik gräbt Mehrweg das Wasser ab

Es grenzt mittlerweile an eine schlecht einstudierte Inszenierung. Keine vier Monate nach dem Inkrafttreten der fünften Novelle der Verpackungsverordnung klagen Politiker aus allen Lagern über die Probleme und die mangelnde Tauglichkeit der neuen Regelung. Jüngstes Beispiel: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel übt sich nach den Schreckensmeldungen der deutschen Brunnenbetriebe als Mehrwegpolizist, in dem er eine Kennzeichnung für Einwegflaschen oder sogar ein europaweites Verbot fordert. Dabei ist der freie Fall der Mehrwegquote hausgemacht und wurde von den politisch Verantwortlichen lange Zeit in Abrede gestellt. Schon im Januar 2007 äußerte sich der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Gerd Friedrich Bollmann skeptisch, einen Mehrwegschutz besonders für Mineralwasser in die Verpackungsverordnung einzuarbeiten. Man sei mittlerweile politisch so weit fortgeschritten, dass diese Regelung einer sechsten Novelle vorbehalten sein müsse. „Eigentlich eine unglaubliche Haltung. Man hatte noch genügend Zeit für eine politische Feinjustierung zur Rettung von Mehrweg“, so der Bonner Umweltexperte Sascha Schuh, Geschäftsführer der Beratungsfirma Ascon.

Obwohl dem Umweltministerium schon zum damaligen Zeitpunkt die prekäre Lage auf dem Mehrwegmarkt bekannt war, packte man das Problem nicht an. „Heute versucht sich der Umweltminister als Medizinmann, der mit Handauflegen die Probleme der Mehrwegquote zu lösen versucht. Das ist nur ein billiger Werbefeldzug“, moniert Schuh. Eine abschreckende Wirkung könne eine Kennzeichnungspflicht nicht entfalten. Der Verbraucher werde schon jetzt mit Informationen auf Produkten und Verpackungen überflutet.

Flughafenkontrolle Köln/Bonn: Eldorado für Dosenfpandgewinne, denn man darf ja Flüssigkeiten nicht im Handgebäck haben.

Flughafenkontrolle Köln/Bonn: Eldorado für Dosenfpandgewinne, denn man darf ja Flüssigkeiten nicht im Handgebäck haben.

Branchenvertreter halten das Vorgehen des Umweltministers für ein Ablenkungsmanöver. Der krasse Preisunterschied zwischen Einweg- und Mehrweggetränken sei die wahre Ursache für den Boom von ökologisch nachteiligen Getränkeverpackungen. Umgerechnet auf den Literpreis kostet Mineralwasser beim Discounter nur 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. „Einen vergleichbaren Preisunterschied zwischen Discountern und Getränkehandel mit einem Faktor von 4,5 findet man in keinem anderen Zweig der Lebensmittelbranche. Die Politik liefert den Discountern ein kostenloses Kundenbindungsprogramm. Normalerweise kalkulieren diese Konzerne einen Erlös von 10 Prozent. Mit den Pfandeinnahmen über die nicht zurückgebrachten Einwegflaschen erwirtschaften die Discounter mit dem Segen der Bundesregierung eine Spanne von über 40 Prozent“, kritisiert Ullrich Schweizer, Marketing-Geschäftsführer der Firma Hassia Mineralquellen.

So sieht es auch Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Ohne ein „ökonomisches Anreizsystem“ werde es nicht gehen, weshalb die Grünen eine zusätzliche Einwegabgabe fordern. Die Arbeitsgemeinschaft umweltfreundliche Verpackungs- und Recyclingsysteme (AVR) hatte schon bei der Einführung des Dosenpfandes vorgeschlagen, die Pfandgelder treuhänderisch unter staatlicher Kontrolle verwalten zu lassen, damit es nicht zu Verwerfungen auf dem Getränkemarkt kommt.

Eine Verpflichtung der Discounter zum Angebot von Mehrwegmineralwasser hält Acson-Chef Sascha Schuh für einen unzulässigen staatlichen Eingriff. Das werde vor deutschen Gerichten und auch vor dem Europäischen Gerichtshof keinen Bestand haben. Eine europäische Initiative zur Abschaffung von Einwegflaschen hält er für sinnlos. „Auch wenn Gabriel einräumt, dass dieser Weg eine Weile dauern könnte, ist er so unrealistisch wie abwegig. Zum einen sieht die europäische Gesetzgebung eine weitgehende Übereinstimmung der 27 Mitgliedsstaaten bei der Verabschiedung neuer Gesetze und Verordnungen vor. Und diese scheint bei der Vielzahl betroffener Industrien als unrealistisch“, erklärt Schuh.

Gabriels Ankündigungen seien eine politische Luftblase. Rechtstechnisch sei die fünfte Novelle von Anfang an eine Katastrophe gewesen. „Die Vollzugsdefizite wurden nicht beseitigt. Und es ist doch für die verantwortlichen Umweltpolitiker und Fachbeamten kein Ruhmesblatt, wenn beispielsweise die Umweltministerin von Baden-Württemberg einräumen muss, dass die Verpackungsverordnung kein Beispiel für eine gute Rechtsetzung sei. Nun sei sie aber in Kraft und müsse von allen Betroffenen eingehalten werden, fügte Frau Gönner etwas ratlos hinzu. Das grenzt schon an Defätismus“, urteilt Schuh.

Völlig verunglückt sei das Verbot der so genannten Selbstentsorgersysteme, die in Konkurrenz zu Dualen System direkt bei Kantinen, Hotels, Kinos oder Supermärkten den Verpackungsabfall eingesammelt haben. „Mit den vielen Branchenlösungen als Alternative zu Selbstentsorgersystemen gibt die Novelle genügend Platz zum Schmunzeln. Sie bietet genügend Gestaltungsmöglichkeiten für ein ‚Lizenzdumping’. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt bei der Reduzierung von Entsorgungsgebühren für Duale Systeme, die haushaltsnah den Verpackungsabfall erfassen müssen. Die Lizenzgebühren für Kunststoffverpackungen kosteten noch vor drei Jahren bei DSD offiziell fast 1300 Euro Pro Tonne. Heute ruft man sich hinter vorgehaltener Hand Preise von 650 Euro pro Tonne zu. Mischt man dazu noch 15 Prozent Branchenlösungen ergibt sich ein Mischpreis pro Tonne Kunststoffverpackungen von etwas mehr als 500 Euro. 65 Prozent weniger als noch vor drei Jahren und schon lange nicht mehr auskömmlich“, moniert Schuh.

Tonnen aufstellen, Abfuhr, Transport zur Sortieranlage, Sortierung Restmüllbeseitigung und Verwertung. Alles für einen Dumpingpreis von 500 Euro. „Schon jetzt klagen alle Entsorgungsunternehmen über die Wirtschaftkrise, mangelnden Absatz und volle Höfe. Da bleibt kein Spielraum mehr für die Verpackungsverwertung. Die Preise sind zusammengebrochen, die Verwertung alleine ist in den vergangenen drei Monaten um mehr als 30 Prozent teurer geworden“, weiß Schuh. Mit dem Lizenzdumping bei Plastik sei eine seriöse Entsorgung nicht mehr zu leisten. Es drohten wieder Entsorgungsskandale wie in den 1990er Jahren. „Wenn der Verordnungsgeber nicht schnell eingreift, wird die Verpackungsverwertung kollabieren und es entstehen ökologisch fragwürdige Entsorgungsmethoden“, fürchtet Ascon-Chef Schuh.

3 comments April 8, 2009

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