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Jeff Jarvis und die pawlowschen Reflexe der alten Medienwelt – Die Zeiten sind vorbei, wo Zeitungen bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen konnten
Es ist schon erschreckend, mit welcher Denkweise die Vertreter der alten Welt auf die Thesen von Jeff Jarvis bei den Münchner Medientagen reagiert haben. Der aus New York zugeschaltete Medienprofessor wies darauf hin, dass es sinnlos sei „das alte Medienmodell in den neuen Verhältnissen der digitalen Welt zu konservieren.“ Er empfahl der Runde um den Moderator und Chefredakteur von stern.de, Frank Thomsen, eine „sehr kritische und ehrliche Diskussion darüber, was bei Ihnen schief läuft.“ Die einen schreien nach dem Staat, die anderen verlangen ein härteres Urheberrecht oder sehen generell Google als Sündenbock für die tiefe Krise der Verlage, die allerdings schon weit vor dem Crash der Finanzmärkte einsetzte.
„Jarvis macht es sich zu einfach“, sagte Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts. „Mir ist es egal, ob wir Inhalte im Druck oder digital ausliefern – aber wie finanziert man das?“ Falsch sei auch, dass Nachrichten keinen monetären Gegenwert mehr besäßen, so Ziesemer. „Viele Printprodukte sterben, weil sie als Reaktion auf die Krise auf Exklusivität verzichteten.“ Claus Strunz, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, klagte, Jarvis werde als „Onlineguru“ wahrgenommen. „Aber den Ruhm hat er aufgrund seiner Bücher. Und die sind gedruckt.“ Ja, Herr Strunz, genau. Er hat ein Sachbuch geschrieben und keine Tageszeitung, die von Anzeigenwerbung abhängig ist. Da bringen Sie aber einiges durcheinander. Nur die Medienprofessorin Miriam Meckel gab zurück: Die Reputation von Jarvis komme aus dem Netz und seinem erfolgreichen Blog. Sie kritisierte, die gesamte Debatte des Printgipfels sei überholt.
Strunz und Co. sollten zur Kenntnis nehmen, dass Jarvis mit seiner Kritik nicht alleine steht. Die Gründe für den
Niedergang der Printmedien hat beispielsweise auch Journalismus-Professor Stephan Ruß-Mohl in einem Beitrag für „Druckreif“ gut zusammengefaßt: „Die Verlagsmanager haben sich an entscheidenden Stellen verkalkuliert. In der ‘guten, alten’ Zeit hatten die meisten Blätter regionale oder lokale Oligopole oder Monopole, also eine marktbeherrschende Stellung. Damit konnten sie bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen. Über Jahrzehnte hinweg erzielten sie Traumrenditen, von denen nicht nur viele Verleger, sondern auch so manche Redakteure in ihren Nischen wie die Maden im Speck lebten. Im Internet herrscht dagegen Wettbewerb. Der Konkurrent, der auf dieselben Anzeigenkunden hofft, ist nur einen Mausklick entfernt. Deshalb schrumpfen bei den Werbeumsätzen die Margen, aus denen sich früher Redaktionen großzügig finanzieren ließen“, so Ruß-Mohl.
Für die Werbetreibenden seien das paradiesische Zustände. Sie könnten ihre Zielgruppen ohne allzu große Streuverluste über das Internet sehr viel besser erreichen und müssten das Geld nicht mehr zum Fenster rausfeuern. Und noch ein Trend schröpft die Verlage: Wer nach einer neuen Freundin Ausschau hält oder sein Auto zum Verkauf anbietet, kann online inzwischen gratis oder für wenig Geld seine Ziele erreichen. Hier hilft die Silo-Taktik der Verlagsmanager nicht weiter. Die entsprechenden Portale laufen auch ohne Nachrichten-Content!
Offensichtlich fehlt vor allen Dingen den Medienmachern in Deutschland eine klare Strategie. Zu lange haben sie das Thema heruntergespielt. Sie haben über Jahre das eigene Niedergangs-Szenario verdrängt, kritisiert Ruß-Mohl. Die Medientage bestätigen sein Resümee.
1 comment Oktober 30, 2009
Verkündet den Magnetismus in roten POSe – Das Ende des vodafonistischen Worthülsen-Spektakels
Nun ist es an der Zeit, das vodafonistische Worthülsen-Spektakel für beendet zu erklären. Mit 19 Prozent ist das Votum deutlich ausgefallen: Die Dopingweisheit aus dem Radsport hat das Rennen gemacht. „Wir geben Dir die Power dazu, wir geben Dir empowerment“.
Diese rotgetünchte Weisheit aus den Zeiten des Existenzialismus hatte die nötige Enkomplexität, um das systemische Paradigma von Niklas Luhmann in Dekomplexität zu transformieren. Denn die Manifestation der Kundenbevorzugung mit Klingeltönen ist eine wichtige Synergie auf dem Wachstumspfad nach der Client first-Strategie „Much more for more“. In Fußgängerzonen steht der Kunde im Mittelpunkt auch wenn er Nichtkunde ist, um ihm Markenversprechen und Kundenversprechen über Markenwesen der Generation upload zu kommunizieren und mit weltweit führenden Mehrwertgeschenken zu begeistern und Markenbotschafter in knallrote POSe zu schicken, die ihren Glauben an den Magnetismus kundtun und die Kopernikanische Wende über Consumer-Vorteilsprogramme sowie Daten-Tarife einleiten.
Die nötigen Schlussworte hat sowieso Don Alphonso vor einigen Wochen gesprochen. Gewinner der systemischen Stilkunde für Vodafonisten ist Anke. Das Opus schicke ich Dir per Post, wenn Du mir Deine Adresse mitteilst.
Add comment September 21, 2009
Die reichen Erben der Glühbirne und warum Verbraucher ein Lichtdiplom erwerben sollten
Über die Merkwürdigkeiten, die faktisch zum Verbot der Glühbirne geführt haben, habe ich hier ja schon einiges geschrieben. Der Geschäftsführer der ZVEI-Fachverbände meint doch allen Ernstes, es gebe gar kein Glühbirnen-Verbot. Es seien nur die „Mindestanforderungen an Leuchtmittel“ verschärft worden. Das ist wohl der Gipfel der Rabulistik. Faktisch dürfen Glühbirnen nicht mehr in Verkehr gebracht werden, wie es so schön im Bürokratendeutsch heißt. Nur die Altbestände dürfen noch verkauft werden. Das ist nichts anderes als ein Verbot. Denn wenn Händler gegen das Vertriebsverbot verstoßen, setzt es satte Strafen. Wir Verbraucher können allerdings Glühbirnen kaufen und müssen nicht mit der Einweisung in eine Glühbirnen-Umerziehungsanstalt rechnen, wie großzügig von der EU.
Was vielen Verbrauchern vielleicht nicht so klar ist, dass die so genannten Energiesparlampen, die in Testergebnissen teilweise miserabel abgeschnitten haben, keine Lampen für den universellen Einsatz mehr sind. Diese Dinger können nicht mit einem kontinuierlichen Spektrum dienen, sondern kommen mit drei hohen, relativ engen Farbspitzen von Rot, Grün und Blau daher, wie die vdi-nachrichten darlegen. Im Bad, fürs Lesen, Klavierspieln oder über dem Esstisch müsse man jetzt stärker auf die Lichtfarbe achten. Osram und Co. können doch frohlocken – das verheißt satte Neugeschäfte, denn der Handel sei jetzt gefragt, den Kunden eine entsprechende Auswahl zu bieten. Die Käufer müssen neben der Leistung in Watt auch die Lichtfarbe in Kelvin und die Lichtausbeute in Lumen pro Watt berücksichtigen. Im Physikunterricht nicht aufgepasst? Tja, Pech gehabt. Dann muss man wohl noch einen Lichtberater einschalten, der hier für die richtige Beleuchtung sorgt.
Das Ganze stinkt doch zum Himmel und der Verbraucher muss hier wohl eine berufliche Nachqualifikation als Lichtdesigner absolvieren. Geht Euch jetzt ein Licht auf????
Add comment September 3, 2009
Der verzweifelte Kampf der Gestern-Medien: Murdoch, Döpfner, Hombach und das Versagen der Verlagsmanager
Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer sieht die Medienmacher Murdoch, Döpfner, Hombach & Co. in einem Gefangenendilemma. Die verzweifelten Initiativen gegen die Kostenlosmentalität der Internetnutzer würden in eine Sackgasse laufen. Die „spieltheoretischen“ Szenarien beschreibt Knüwer wie folgt:
„a) Alle verschließen ihre Inhalte hinter Bezahlwänden. Eine mittelschwere Strafe wäre das, denn sie würden alle auf substanzielle Werbeeinnahmen verzichten. Gleichzeitig bestünde die Hoffnung, dass die Nutzer reichlich Abos abschlössen, um qualitativ gute Inhalte zu bekommen.
b) Nur einige der Angebote werden kostenpflichtig. Diese gehören dann zu den Verlierern, denn die anderen ziehen Leser und Werbung ab. Und die Leser würden sich mit Recht fragen, warum sie an der einen Stelle für etwas zahlen sollen, was sie an der anderen gratis bekommen.
c) Keiner installiert Bezahlinhalte – dann sind wir in der aktuellen Situation“, so Knüwer.
Allein würden es die Medienmacher nicht schaffen, deshalb würden sie wie WAZ-Chef Bodo Hombach eine konzertierte Aktion der Verlage favorisieren. „Das ist bemerkenswert: Denn so etwas könnte als Ausnutzen der Machtposition interpretiert werden. Entschließen sich die Verlage tatsächlich, gemeinsam Bezahlwände zu errichten, könnte ein Kartellverfahren nicht uninteressant werden“, vermutet der Handelsblatt-Blogger.
Aber selbst wenn sich alle Gefangenen zur Kooperation entschließen würden, dürfte sie die Höchststrafe ereilen. „Verschwinden die Angebote hinter Bezahlwänden, darf trotzdem über das, was sie berichten, berichtet werden. So etwas nennt sich Pressefreiheit und ist in einem Werk namens Grundgesetz festgemauert worden. Und das bedeutet: Sind Der Westen, Spiegel Online oder Focus.de nur noch gegen Abo zu lesen, werden zahlreiche Billiganbieter auf den Markt kommen, die über deren Geschichten berichten“, so Knüwer.
Eine ausweglose Reaktion. Und ist mit dieser Strategie der Niveauverlust des klassischen Journalismus zu stoppen? Die Schwächen der Gestern-Medien werden mit einer Mauertaktik nicht beseitigt.
Vor einigen Wochen hat WAZ-Verlagschef Bodo Hombach in einem Beitrag für die Zeitschrift Cicero noch die hausgemachten Probleme der klassischen Medien beklagt. Sie müssten Gelenkstelle zwischen allen Räumen des öffentlichen Lebens sein, Drehscheibe für Ideen, Arena, Forum, Nische und Nest, Rumpelkammer für Exkurse ins Fantastische, frech, präzise, zivil, Sendbote zwischen Ein- und Ausgeschlossenen, Dolmetscher zwischen oben und unten, Gestern und Morgen, Rand und Mitte, Vor- und Nachdenker, Instrument der Auseinandersetzung und des Zusammengehens, aktuell, flexibel, empfindsam und hart, mit Leidenschaft und Kühle, Katheter für sozialen Problemstau, Kompostecke für Kulturabfall, Schredder für Abgelegtes, Abgenutztes, Abgestandenes, Seismograf für feinste Beben auf der nach oben offenen “Richter-Skala” des Geistes, offen für jede Bitte, aber verschlossen für jeden Befehl. Also all das, was man in der Blogosphäre schon wahrnehmen kann durch die Vielfalt, durch das kreative Chaos und der Inspiration der Basis. Kein Territorialverhalten, keine selektive Nachrichtenauslese, kein Auflagendruck, kein Bestreben nach dem absoluten Medienscoop.
Die klassischen Medien “jagen im Rudel”, so Hombach”. “Kampagnenjournalismus muss nicht mehr organisiert werden. Es ergibt sich wie von selbst. Die Neidhammel umkreisen den Sündenbock”. In vielen Blättern und Sendern werden Agenturberichte ungeprüft übernommen. “Man hört und sieht und liest denselben Bericht. Das empfinden die meisten als Bestätigung. Mancher glaubt sogar dem selbst erfundenen Gerücht, wenn es zu ihm zurückkehrt”.
Kompensieren Bezahlmodelle für Internet-Content diese Schwächen? Wohl kaum. Die Gründe für den Niedergang der Printmedien hat Journalismus-Professor Stephan Ruß-Mohl in einem Beitrag für „Druckreif“ gut zusammengefaßt: „Die Verlagsmanager haben sich an entscheidenden Stellen verkalkuliert. In der ‘guten, alten’ Zeit hatten die meisten Blätter regionale oder lokale Oligopole oder Monopole, also eine marktbeherrschende Stellung. Damit konnten sie bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen. Über Jahrzehnte hinweg erzielten sie Traumrenditen, von denen nicht nur viele Verleger, sondern auch so manche Redakteure in ihren Nischen wie die Maden im Speck lebten. Im Internet herrscht dagegen Wettbewerb. Der Konkurrent, der auf dieselben Anzeigenkunden hofft, ist nur einen Mausklick entfernt. Deshalb schrumpfen bei den Werbeumsätzen die Margen, aus denen sich früher Redaktionen großzügig finanzieren ließen“, so Ruß-Mohl. Für die Werbetreibenden seien das paradiesische Zustände. Sie könnten ihre Zielgruppen ohne allzu große Streuverluste über das Internet sehr viel besser erreichen und müssten das Geld nicht mehr zum Fenster rausfeuern. Und noch ein Trend schröpft die Verlage: Wer nach einer neuen Freundin Ausschau hält oder sein Auto zum Verkauf anbietet, kann online inzwischen gratis oder für wenig Geld seine Ziele erreichen. Hier hilft die Silo-Taktik der Verlagsmanager nicht weiter. Die entsprechenden Portale laufen auch ohne Nachrichten-Content!
Offensichtlich fehlt vor allen Dingen den Medienmachern in Deutschland eine klare Strategie. Zu lange haben sie das Thema heruntergespielt. Sie haben über Jahre das eigene Niedergangs-Szenario verdrängt, kritisiert Ruß-Mohl.
Noch deutlicher hat Dummy-Herausgeber Oliver Gehrs die Systemkrise der großen Verlage auf den Punkt gebracht. „Die großen Verlage sind nur auf ihre Rendite erpicht. Sie wollen keine Innovationen machen. Sie haben alle journalistischen Spielwiesen, die wirklich Spaß machen, gestrichen, weil sie nicht den Renditezielen entsprachen. Ich habe eine denkbar schlechte Meinung von dieser Medienlandschaft, vor allem im Printbereich“, sagte Gehrs beim Medienforum Mittweida schon vor zwei Jahren! Verlage hätten es verschlafen, wirkliche Marken im Internet zu etablieren. Die Online-Auftritte seien lange Zeit nur Abflussrohre der Printausgaben gewesen.
Die Massenblätter seien dazu verdammt, immer den kleinsten Nenner zu finden. Sie müssten an den Studienrat in Heidelberg und an die 25-Jährige in Berlin-Mitte denken. Dieser Spagat würde nicht mehr funktionieren. „Wenn man den Stern oder den Spiegel liest, kriegt man ständig gesellschaftliche Zustände beschrieben, die es so gar nicht gibt. Zumindest nicht in diesen großen gesellschaftlichen Clustern. Diese Gesellschaft, die da abgebildet wird, ist so nicht mehr existent. Etwa die Neue Bürgerlichkeit. Die kann man finden, aber auch genau das Gegenteil. Oder die Neue Gemütlichkeit in Berliner Kneipen (Stern-Bericht). Auch das kann man antreffen. Man könnte aber schreiben, die Neue Kühle in Berliner Kneipen. Es gibt mittlerweile so viele Lebensstile, die nebeneinander existieren. Die Welt wird immer dialektischer“, erklärte Gehrs. Massenmedien würden noch immer dem großen gesellschaftlichen Kanon hinterherlaufen. Die Zeit für hohe Printauflagen mit einer Million Auflage sei vorbei. Die großen Tanker mit ihrem Themen-Mainstream ohne Trennschärfe könnten die reale Welt immer weniger abbilden. In Zukunft werde es immer mehr Publikationen geben, die vielleicht 80.000 Leser erreichen. Das sei das Dilemma der großen Verlage, die nur in Dimensionen von 250.000 aufwärts rechnen. Ein Heft wie Dummy werde es bei Gruner & Jahr, Burda oder Bauer nie geben. Diese Konzerne könnten nicht in kreativen Einheiten denken. Da müsse jeder als Profit Center dazu beitragen, dass die Verlagsbosse auch schön in ihren Dienstwagen fahren können. Die Verlagskonzerne seien nicht in der Lage, gesellschaftliche Veränderungen zu spüren und publizistisch abzubilden.
Auch diese Analyse zeigt deutlich, dass die Verlagskrise hausgemacht ist!
P.S. Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer bekommt im Buch „Die Alpha-Journalisten 2.0″ von Weichert und den Ehrentitel „Der Nestbeschmutzer“, weil er seit Jahren über die Defizite der Printwelt bloggt und mit „Indiskreation Ehrensache“ auch bei seinen Kollegen regelmäßig aneckt. Siehe auch „Blogger-Zoff im Handelsblatt“. Vielleicht wäre die Bezeichnung „Der Hellseher“ angebrachter.
Zum Niedergang der Tageszeitungen interessante Statistik.
6 comments August 19, 2009
Wähle die vodafonistische Worthülse einer neuen Zeitrechnung!
In der Wochenzeitung „Die Zeit“ beklagt der Politiker Gregor Gysi den Niedergang der Redekunst. In der Antike stand die Rhetorik noch in einem hohen Ansehen. Zu den Lehrmeistern zählt Gysi den Platon-Schüler Aristoteles, der mit seiner Rhetorik das bis heute folgenreichste Lehrbuch einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte, „nicht zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist“. Das war einmal, glaubt Gysi. An dem Verfall der Rhetorik sollen wieder einmal die Medien Schuld sein. Besonders das Fernsehen und seine Dramatisierung des optischen Erscheinungsbildes. Wie sitzt die Krawatte, wie sitzt sie nicht, wie sieht der Mann aus? Finden wir nirgendwo athenische Rhetoren?
Für den Bundestag mag das stimmen, Herr Gysi. Aber Sie kennen eben noch nicht die Generation upload, die beides vereinen kann. Eine gut sitzende Krawatte, einen maßgeschneiderten dunklen Anzug und rhetorische Brillanz. Gemeint sind die Meister des vodafonististischen Neo-Dadaismus. Sie sind die Wegbereiter einer neuen Stilkunst der Web 2.0-Prosa. Die schönsten Formulierungen des vodafonistischen Rhetorik-Manifestes stehen zur Auswahl für die Worthülse des Monats Juli. Und da wir am Beginn eines Epochenwandels stehen, halte ich es nicht für untertrieben, von der Worthülse einer neuen Zeitrechnung zu schreiben.

Systemische Stilkunde für Vodafonisten
Vodafonistische Hintergrundinfo.
Erklärung zur kopernikanischen Wende (nicht die Erde ist der Zentralkörper des astronomischen Weltsystems, sondern knallrot angestrichene Zentren der Gesprächskultur)
Erklärung zu Nichtkunden an uns binden (Gesetz der Chemie: Nichtkunden als Oxidationsmitel, nehmen Elektronen auf und sind negativ geladen, Reaktion mit Bestandskunden als Reduktionsmittel, geben Elektronen ab, sind postiv geladen – Ergebnis: Spannung)
7 comments Juli 17, 2009
Wüste Visionen
Erleben wir mit Desertec einen einen der größten Fakes des Jahrhunderts? Zu dieser Schlussfolgerung gelangt Wissenschaftsjournalist Edgar Gärtner: „Ich weiß, warum ich bei Partys meistens zögere, mich als Journalist vorzustellen. Am vergangenen Wochenende brauchte ich mich nicht vorstellen, denn da war ich unter lauter lieben Kollegen. Einer von ihnen, Pressesprecher eines großen Stromkonzerns, schilderte uns die wahren Hintergründe des Medienmärchens vom Solarstrom aus der Sahara. Die Idee, in der Sahara mithilfe von Parabolspiegeln Dampf und Strom zu erzeugen, ist uralt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg standen dort erste Solarkraftwerke mit der antiken Solarthermie-Technik. Sie gerieten in den Wirren des Krieges in Vergessenheit. Der obskure Club of Rome griff vor einigen Jahren die Idee wieder auf. Die im nicht weniger obskuren ‘Klimaschutz’-Geschäft engagierte Münchner Rückversicherung sah darin neue Geschäftschancen und brachte Stromkonzerne wie E.on und RWE sowie Siemens, die Deutsche Bank, Schott Solar und einige andere deutsche, spanische und italienische Firmen dazu, sich mit jeweils einigen Tausend Euro an einer Vorstudie über die Machbarkeit des vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und von Greenpeace unterstützten ‘Desertec’-Projektes des Club of Rome zu beteiligen. Dieses sieht vor, mithilfe von Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen zwischen Nordafrika und Westeuropa etwa 15 Prozent unseres Strombedarfs abzudecken.
In allen deutschen Medien war aber nicht von dieser bescheidenen und vorläufigen finanziellen Beteiligung die Rede, sondern von einem ‘Konsortium von 20 deutschen Firmen’, das sich bereits anschicke, bis zur Jahrhundertmitte nicht weniger als 400 Milliarden Euro in die Erzeugung und den Transport des Sahara-Stroms zu investieren. Doch zu mehr als einer skeptischen Prüfung der Idee hatten sich gerade die genannten Stromkonzerne gar nicht bereit erklärt“. Da sind wohl einige ohne klare Absprachen vorgeprescht, um Tatsachen zu schaffen und Konzerne unter Druck zu setzen. In einigen Jahren werden wir von diesem Projekt nichts mehr hören. Das wir ablaufen wie das One-Hit-Wonder.
Add comment Juli 14, 2009
Liebe Frau Zypries, was kann Tante Erna gegen unerlaubte Telefonanrufe tun?
Die Debatte und den kompletten Beitrag zum Thema kann man hier nachlesen.
Add comment Juli 7, 2009
Bei Anruf Verbraucherzorn! Call Center brauchen Qualitätsstandards
Trotz des hohen Einkaufsvolumens mangelt es nach Auffassung von Experten an Preistransparenz. Auch die jeweils gebotene Servicequalität und die Serviceanforderungen bei der Auftragsvergabe spielen hier eine zentrale Rolle. Sie werden in Deutschland bisher noch in keiner regelmäßigen Erhebung erfasst. Aus diesem Grund führt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit dem internationalen Call Center-Unternehmensverband CCBenchmarks im deutschsprachigen Raum eine detaillierte und umfassende Erhebung zum Einkauf von Call Center- Dienstleistungen durch.
Der neue Preis- und Qualitätsindex ermögliche Einkäufern, Preise und Qualitäten präzise miteinander zu vergleichen. So werden bei den Preisabfragen zu In- und Outbound jeweils 15 unterschiedliche Anruftypologien abgefragt. „Darüber hinaus enthält die Studie viele wertvolle Informationen rund um den Einkauf von Call Center Dienstleistungen. Dies reicht von Bewertungsmethoden für die Servicequalität bis zu den von den Unternehmen primär genutzten Kriterien für die Auswahl von Call Center-Dienstleistern“, teilen BME und CCBenchmarks mit.
Messbare Qualitätsnormen sind nach Auffassung von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus, auch bei der Sprachcomputern vonnöten. „Seit 2007 wird deshalb in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und Experten der deutschsprachigen Fachszene ein industrienaher Standard für Sprachapplikationen erarbeitet“, so Steimel.Die Ergebnisse der ersten Projektphase wurden in der Studie „Leitfaden – Qualitätskriterien für Sprachapplikationen“ veröffentlicht: „Als Unternehmen, das seit acht Jahren und von Anfang an auf die Nutzung von Spracherkennung und die Verfolgung innovativer natürlichsprachlicher Designansätze gesetzt hat, sehen wir uns in der Verantwortung, einen Beitrag zur Konsolidierung und zur weiteren Entwicklung der Branche insgesamt zu leisten“, erläutert Jörn Kreutel, Chief Technology Officer bei SemanticEdge in Berlin.
Auch wenn die Nutzung von Spracherkennung gegenüber dem Tonwahlverfahren DTMF (Geben Sie die 1 ein, wenn….) klar überlegen sei, müsse man immer noch Vorbehalte in der Öffentlichkeit ausräumen. Dazu seien die Maßstäbe des Fraunhofer Instituts, die sich auch in anderen Technologiefeldern bewährt hätten, ein wichtiger Beitrag: „Für die Branche und auch für uns selbst als Marktteilnehmer“, resümiert Kreutel.
Wer an der BME/CC-Benchmarks-Erhebung teilnehmen möchte, kann sich an Volkmar Klein wenden: volkmar.klein@bme.de. Teilnehmer der Studie erhalten kostenfrei eine Zusammenfassung der Analyse. Die Veröffentlichung der Studie „Einkauf von Call Center-Dienstleistungen“ ist zum 30. September 2009 geplant.
Link zum Qualitätsleitfaden für Sprachcomputer.
Weitere Blog-Beiträge:
Call Center auf der Hitliste des Zorns
4 comments Juni 22, 2009
Auf den Spuren der Romantik: Route Transromanica
Die Zusammenarbeit, die Einsparung von Kosten und eine schlagkräftigere Vermarktung führte 24 europäische Tourismusmanager in Berlin zusammen. Auf Einladung des sachsen-anhaltischen Verkehrsministeriums besprachen die Experten in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt Strategien für touristische und gleichzeitig kulturell wertvolle Standorte. Die betreffenden Regionen arbeiten im Projekt CrossCulTour und bei der Vermarktung der Route Transromanica zusammen, zu der auch die deutsche Straße der Romanik gehört. Es geht um die Förderung des europäischen Erbes der Romantik, die sich in der Zeit von 950 bis 1250 stilprägend in Kunst und Architektur niederschlug.
Kulturtouristen, die man ansprechen möchte, brächten handfeste ökonomische Argumente mit, erläuterte Dr. Manfred Zeiner vom Beratungsinstitut dwif. Kulturtouristen seien nicht nur an Kunst und Kultur interessiert. Sie würden auch lieber auf Einkaufen gehen, sie schätzen ein attraktives Nachtleben und geben dabei mehr Geld aus.
Matthias Poeschel skizzierte, wie Cross-Marketing auch mit geringen Mitteln funktioniert. Zehn Städte in Deutschland, die teils zum UNESCO-Welterbe gehören und alle einen mittelalterlichen Bezug haben, arbeiten hier zusammen, so der für die Tourismus- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt arbeitende Experte.
„Das Beispiel der Tourismusroute Transromanica zeigt sehr schön, wie sich unterschiedlichste Interessensgruppen zusammenfinden, um ein Ziel zu verfolgen. Man nehme regionale Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Ländern die thematisch zusammenpassen, ergänzt sie um spezielle Kulturprogramme und Shopping-Angebote und lässt sie über exklusive Global Player vermarkten“, so die Erfahrung von Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity. Alle Beteiligte würden davon profitieren. „Der Tourismus steigt in den einzelnen Ländern – und zwar um die Klientel, die sich genau für diese Angebote interessieren. Die regionale Wirtschaft wird gestärkt – teilweise über Landesgrenzen hinweg. Und die Touristen erleben die Reise in einem unvergesslichem Ambiente. Aus meiner Sicht werden solche pauschale Angebote immer stärker umsetzen“, ist sich der Triptivity-Chef sicher.
4 comments Juni 14, 2009



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